1950er: Geboren in der Agrargesellschaft

Nach dem furchtbaren Krieg waren die Erfahrungen mit der Welt negativ besetzt. Brüder und sonstige Familienangehörige waren „gefallen“. Frieden und positive Erlebnisse kamen nur aus der eigenen täglichen Erfahrung. So galt weiterhin das Motto: „Wat de Buer nich kennt, itt he nich“ (Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht). Das umfasste nicht nur das Essen, sondern das ganze Leben, inklusive der Politik. Das Negative, das Andere, das, was man nicht kannte, kam immer von außen und wurde skeptisch beäugt. Fortschritt war immer konkret sicht- und spürbar, nie abstrakt!
Ich wurde praktisch nebenbei größer, daher beschäftigte ich mich zunächst allein mit mir selbst und später mit den Kindern aus dem Dorf. Das Leben spielte sich, wann immer es möglich war, draußen ab, es sei denn, mein einziges Paar Schuhe oder Strumpfe waren nass und verhinderten eine weitere Nutzung. In dieser Disziplin war ich ein Meister. Kaum aus dem Haus, versank ich im Matsch oder im Straßengraben. So verbrachte ich dann den Rest des Tages wieder unter dem Kuchentisch, denn dort brauchte es weder Socken noch Gummistiefel. Schon früh gehörte die regelmäßige Erledigung „altersgerechter“ Arbeiten zum Tages-, Wochen- und Jahresablauf: Kühe hüten und auf die Weide treiben, bei der Ernte helfen, Heu machen, im Garten arbeiten, die Tiere im Stall versorgen, den Stall ausmisten oder Kartoffeln auflesen. Schulferien waren dazu da, bestimmte Arbeiten zu erledigen. Im Sommer die Ernte, Heu, Getreide etc., im Herbst die Kartoffeln auflesen. Die Herbstferien hießen daher „Kartoffelferien“.