1960er: Aufgewachsen in der Industriegesellschaft

Die Bundesrepublik, weiterhin von den Westmachten besetzt, war sozusagen im Windschatten zu einer wirtschaftlichen Macht herangewachsen. Die Schwerindustrie (Eisen- und Stahlproduktion), der Maschinenbau, die chemische Industrie und die Produktion von Autos waren die Fortschritts- und Wachstumsmotoren.
Dabei wäre alles fast ganz anders gekommen. Vor dem unmittelbaren Ende des Krieges hatte es schon 1944, als die Niederlage der Deutschen absehbar war, Überlegungen gegeben, aus dem besiegten Deutschland einen Agrarstaat zu machen. Deutschland sollte ein Land werden, das nur noch landwirtschaftliche Produkte herstellt. Wie bei uns auf dem Dorf.

Wie damals üblich, wurde die Entscheidung, „was der Junge mal werden soll“, von den Eltern getroffen: Nach der richtungsweisenden Entscheidung für meine Person begann ich einen Monat nach meinem 14. Geburtstag eine Lehre (Ausbildung) als Kfz-Mechaniker in einer VW-Werkstatt. Diese lag mitten im größten Skigebiet des Sauerlandes, direkt unterhalb der Skisprungschanze, deren Bezeichnung auch meinen Vornamen enthielt: St. Georg Schanze. Autos, dieses neue Gefühl von Fortschritt und individueller Bewegung, von „Alles ist erreichbar“, sollten auch meine Zukunft werden. Kühe, Schweine und das ganze bäuerliche Dasein gehörten einer untergehenden Zivilisation an.
Mit 50 DM Lehrgeld pro Monat bei fast 50 Arbeitsstunden pro Woche blieben aber weder Zeit noch Geld, um am aufkommenden Konsum teilzunehmen.